Wie können Tandems zu einem guten Ende
der Patenschaft kommen?

Bettina Jantzen © Michael B Rehders

Interview mit Bettina Jantzen, Projektkoordinatorin von Mitkids Aktivpatenschaften der Ehlerding Stiftung und Mitglied in der Ag Qualitätssicherung und Qualifizierung des Mentor.Ring Hamburg e.V.

1. Ein Tandempartner möchte die Patenschaft beenden. Wie gehen Sie in diesem Fall vor?
Wir versuchen im Gespräch die Gründe herauszufinden. Ist vielleicht noch etwas zu „retten“?
Wenn es ein Zeitproblem ist, kann vielleicht ein anderer Turnus für die Treffen von Mentor und Mentee gefunden werden. Wenn es einen Streit oder ein Missverständnis gab, lässt sich in Einzelgesprächen und dann am runden Tisch mit den Tandempartnern manchmal noch eine Lösung finden. Wichtig ist es, immer das Gespräch mit beiden Seiten zu suchen. Das Ende einer Patenschaft wird für unsere Unterlagen mit Datum und Grund der Beendigung dokumentiert.

2. Gibt es auch Fälle, in denen Sie als Organisation eine Patenschaft von sich aus beenden?
Ja, wenn wir das Gefühl haben, dass eine Patenschaft einem Mentee oder einem Mentor nicht gut tut. Dies ist zum Beispiel bei Übergriffigkeit der Fall, wenn ein Verhalten dem Kindeswohl nicht förderlich ist oder die Familie/der Mentee den Mentor als Babysitter oder Chauffeur ausnutzt.
Wir beenden aber auch Patenschaften, wenn der Kontakt zur Organisation nicht gehalten wird, also Mentoren auf Anrufe, Mails oder Briefe nicht mehr antworten. Wir suchen auch hier zunächst das persönliche Gespräch. Gelingt das, erläutern wir unser Anliegen und unsere Gründe. Wenn kein Gespräch zustande kommt, wird das Ende der Patenschaft (und damit das Ende der organisatorischen Absicherungen wie Versicherung etc.) per Brief mitgeteilt.

3. Wie teilen Sie so etwas in einem Brief mit?
Das klingt bei uns so: „Liebe/r Frau/Herr X., Sie sind offiziell seit ____Patin in unserem Projekt XYZ. Leider können wir Sie seit Monaten nicht erreichen, und haben auch umgekehrt von Ihnen nichts mehr gehört. Das macht uns Bauchschmerzen. Um unsere Qualitätsstandards zu wahren, ist es uns wichtig, regelmäßig im Kontakt mit allen Beteiligten zu sein. Anscheinend ist Ihnen dieser Kontakt im Moment nicht mehr möglich. Daher möchten wir gerne die Patenschaft über unsere Organisation offiziell beenden. Darüber werden wir auch den Mentee/die Familie des Mentees informieren. Wir hoffen, dass es Ihnen gut geht und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft. Mit herzlichen Grüßen…“

4. Was ist Ihnen besonders wichtig, wenn es darum geht, das Ende von Patenschaften zu gestalten?
Transparenz, offene Kommunikation mit beiden Seiten, Wertschätzung des bisher eingebrachten Engagements und Vertrauens und einen möglichst versöhnlichen Abschluss, am besten mit allen Beteiligten zusammen und ohne Schuldzuweisungen. Im besten Falle sollte man sich zum Abschied noch einmal in die Augen sehen, damit man in Zukunft sich ohne schlechte Gefühle auf der Straße begegnen kann.
Wenn die Beteiligten nicht mehr zusammen kommen möchten, um ein Abschiedstreffen wahrzunehmen, dann führt die Projektverantwortliche mit beiden Seiten ein abschließendes Telefongespräch, dankt für das Vertrauen, erinnert noch einmal an gute Momente in der Patenschaft.
Manchmal bleibt bei einem Tandempartner eine Kränkung zurück, wenn der andere Tandempartner einseitig eine Beziehung beendet hat. Den Schmerz kann die Projektverantwortliche versuchen zu mildern, indem sie außerhalb der Patenschaft liegende Gründe nennt, die zum Ende der Patenschaft geführt haben (wie z.B. familiäre, berufliche oder gesundheitliche Gründe oder auch die gelungene Integration, wodurch der Bedarf für eine Patenschaft zurückgeht).