Praxisbeispiel – Afghanischer Abend für PatInnen

Afghanischer Abend im Projekt connect

„Das Patenprojekt Connect von basis und woge e.V. bringt junge, volljährige Menschen, die ohne Familie nach Deutschland geflohen sind mit ehrenamtlichem Paten zusammen. Ein Verhaltenscodex ist, dass die Paten nicht nach der Fluchtgeschichte fragen dürfen. Fragen wie „Was ist denn da in Deinem Land passiert?“ sind zunächst tabu. Damit die Paten trotzdem ihre Fragen beantwortet bekommen, wurde ein „Afghanischer Abend“ für die Paten veranstaltet, zu der eine erfahrene Referentin zum Thema Afghanistan eingeladen wurde.

Zu Beginn des Abends gab es warmes afghanisches Essen und zur Veranschaulichung lag eine große afghanische Karte aus und der Tisch war mit typischen afghanischen Utensilien geschmückt (Gemüsesorten, Seifen, Schmuck…). Nach dem Essen konnten alle Paten ihre Fragen auf eine Karte schreiben: „Wie ist die aktuelle Situation in Afghanistan?“, „Darf ich meinen Mentee umarmen oder darf man das als Frau nicht?“, u.v.m.. Die Referentin berichtete über die aktuelle Situation und das Leben in Afghanistan, die Hintergründe der Flucht und ging auf die Fragen der Paten ein. Zusätzlich berichtete eine Frau, die in Afghanistan aufgewachsen ist und vor 30 Jahren nach Deutschland geflohen ist, von ihrer Kindheit und jährlichen Besuchen in Afghanistan.

Es war ein sehr schöner und bewegter Abend. Die Paten hatten einen Raum, in dem ihre Fragen befriedigend beantwortet werden konnten. Einige sagten, sie würden jetzt auch einiges besser verstehen, warum ihr Mentee sich in einigen Situationen anders verhält als sie erwarten würden. Sie erfuhren, dass die jungen Menschen auch mit einem gewissen Auftrag ihrer Familie hier sind, der zum Teil sehr auf den Schultern der jungen Menschen lastet. Am Ende  gab es einen regen, hilfreichen Austausch unter den Paten. Weitere Länderabende sind angedacht.“ (Bettina Sobczak, Projektkoordinatorin, basis und woge e.V.)