Was gehört zu einer guten Vorbereitung?

Vor jeder Patenschaft sollten die Rollen der Ehrenamtlichen und Geflüchteten geklärt werden. Was wünschen sich beide Seiten? Was erwarten sie? Durch eine gute Vorbereitung beugt man Enttäuschungen vor. Dabei helfen Einführungsworkshops, Patenguides und Verhaltenscodice.

„Ich brauche unbedingt Winterschuhe und habe kein Geld mehr“, erzählt der 16-Jährige Samir seiner Patin Nina. Was tun?, fragt sich Nina. Da erinnert sie sich an den Hinweis aus dem Paten-Vorbereitungsseminar: „Hilfe zur Selbsthilfe geben“. Sie steckt das gezückte Portemonnaie wieder ein, erläutert ihm, wie er Geld über seinen Betreuer oder Vormund beantragen kann und beschreibt, wie man zur nächsten Kleiderkammer kommt.

Wenn in einer Patenschaft Konflikte entstehen, stellt sich oft heraus, dass beide Seiten unterschiedliche Erwartungen an die Patenschaft hatten. Mit einer guten Vorbereitung kennen beide Seiten ihre Rolle (s. auch Kapitel Rollenklärung) und sie haben sich  miteinander auf Spielregeln (s. auch Kapitel Verhaltenscodex) geeinigt. Ein Pate, der sich eher als Behördenlotse oder Deutsch-Sprachpartner versteht, wird sich anders verhalten als jemand, der ein freundschaftlich verbundener Weggefährte sein möchte (s. auch Kapitel Projektkonzept). Geflüchtete haben so eine klare Vorstellung, was sie von Ehrenamtlichen erwarten können. 

Eine gute Vorbereitung gibt besonders den Ehrenamtlichen ein sicheres Gefühl und macht Lust auf das Engagement.


Natürlich bestimmen die Projektgröße und Ressourcen von Zeit, Geld, Engagierten oder Personal die Vorbereitung. Projekte mit geringeren Ressourcen verbinden die Vorbereitung oftmals mit den Auswahlgesprächen, einem Infoabend oder auch mit dem ersten Kennenlerntreffen von Ehrenamtlichen und Geflüchteten. Projekte mit größeren Ressourcen widmen der Vorbereitung der PatInnen eigene Workshops oder geben Leitfäden heraus.

Hier finden Sie eine Checkliste mit Themen, die Sie bei der Vorbereitung unbedingt ansprechen sollten. 

Viele der Geflüchteten stammen aus Ländern, in denen bürgerschaftliches Engagement unterdrückt wird oder nur staatsnah möglich ist. Daher ist bei der Vorbereitung der Geflüchteten wichtig, vorab zu erläutern, was bürgerschaftliches Engagement in Deutschland ausmacht: Was sind Gründe des Engagements? Was kann ich von Ehrenamtlichen erwarten? Was nicht?
Die Diakonie hat dazu eine mehrsprachige Broschüre erstellt.
Broschüre: Was sind freiwillig Engagierte?


Eine gemeinsame Vorbereitung erleichtert das Engagement. (c) Foto: Kirsten Haarmann

Einige Projekte (vorallem Projekte mit minderjährigen Geflüchteten) bieten einen Einführungsworkshop für PatInnen vor dem ersten Kennenlernen oder während der Anfangszeit der Patenschaft an.

Ein Workhop hat den Vorteil, dass

  • Sie zusammen mit den Teilnehmenden ein gemeinsames Verständnis der Projektziele entwickeln können und sich Ehrenamtliche dadurch stärker dem Projekt und den anderen PatInnen zugehörig fühlen,
  • die organisatorischen Details des Patenprojekts besprochen und Rückfragen geklärt werden können,
  • PatInnen ihre eigene Haltung und Rolle reflektieren und Do’s and Don’ts geklärt werden können,
  • die Ehrenamtlichen auf die interkulturelle Begegnung eingestimmt werden,
  • und Sie sich als Ansprechpartner (auch für Konflikte) im Projekt einführen.

Ein Vorbereitungsworkshop dauert in der Regel drei Stunden bis zu einem Tag. Einige Projekte führen ihn selbst durch, andere greifen hierfür auf externe ReferentInnen zurück.

Anleitungen für einzelne Workshopübungen finden Sie hier:


PatInnen, MentorInnen, WeggefährtInnen, BegleiterInnen und Locals – die Ehrenamtlichen in Tandemprojekten tragen viele Namen. Und auch wenn verschiedene Projekte den gleichen Begriff verwenden, unterscheiden sich die Auffassungen der Rolle zum Teil sehr. Umso wichtiger, vorab zu klären, was im Projekt unter der Rolle als Patin und Pate verstanden wird, welche Haltung ihr zu Grunde liegt und welche gegenseitigen Erwartungen aneinander bestehen. 

PatInnen übernehmen verschiedene Rollen: Sie sind teilweise FreundIn, großer Bruder, große Schwester oder übernehmen fürsorgliche Aufgaben ähnlich von Eltern oder Lehrkräften. Wie Dr. Limor Goldner die hybride Rolle der Patin / des Paten von bekannten Rollen (Eltern, Lehrkräfte, FreundIn, TherapeutIn) unterscheidet, können Sie im Abschnitt "Rollenabgrenzung zu bekannten Rollen" (siehe unten) nachlesen. Bei allem gilt jedoch: Die Selbstbestimmtheit des Tandempartners oder der Tandempartnerin ist die entscheidende Grundlage einer Patenschaft.

Folgende Workshopübungen eignen sich zur Rollenklärung in der Arbeit mit PatInnen (weitere Übungen finden Sie im Kapitel "Einführungsworkshop"):


Ayslantragsverfahren, Regelungen zum Familiennachzug, Arbeitssuche: einige der PatInnen sind angesichts der komplexen, existentiellen Herausforderungen der Geflüchteten unsicher, ob sie den Anforderungen gewachsen sind. Je nach Zielgruppe und Zielsetzung des Patenschaftsprogramms ist daher eine fachliche Einführung der Ehrenamtlichen von Vorteil, z.B. zu Lebenslagen der Geflüchteten, zum Rechtsanspruch oder zum Umgang mit Traumatisierung. Hier können  Einführungsworkshops , Fortbildungen  oder ein Leitfaden für PatInnen mit Verweisadressen zu Fachstellen, zur Sicherheit der Engagierten beitragen.

Auf dieser Website finden Sie ein Beispiel für einen Leitfaden für PatInnen des Projekts "Start with a friend".

In Kapitel 4 finden Sie Links und Adressen sortiert nach Themenbereichen wie Arbeit, Bildung und Wohnen.


Wie wollen wir miteinander umgehen? Wie gehe ich in einem Konflikt vor? Sind Geschenke erlaubt? Spielregeln in Patenschaftsprojekten, die sogenannten „Do’s and „Don’ts“, führen zu einem klarerem Umgang der Tandems miteinander und helfen, Missverständnissen vorzubeugen. 

Ein Verhaltenscodex ist zudem ein Instrument des Präventionsschutzes  (s. Kapitel Projektmanagement) vor Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt. Dies ist bei der Arbeit mit geflüchteten Menschen besonders wichtig, da sie sich in einer sehr ungeschützten Situation befinden. Patenprojekte mit Minderjährigen verwenden daher auch Schutzvereinbarungen. Je deutlicher Regeln, Ansprechpartner und Verfahren für den Konfliktfall benannt sind, desto einfacher ist es, sich Hilfe zu holen, falls individuelle Grenzen überschritten werden. In der Box finden Sie dazu Praxisvorlagen zu Schutzvereinbarungen, für einen Verhaltenscodex, einen Code of Conduct und einen Interventionsablauf.

Eine Übersetzung in die jeweilige Sprache der Geflüchteten ist in der Regel notwendig. Einige Projekte setzen dabei auf (ehrenamtliche) Dolmetscher und erarbeiten Handouts in verschiedenen Sprachen.

 

Workshopübungen für Tandems zum Thema Nähe und Distanz in der Patenschaft: