Rollenspiel

Typ: 
Rollenklärung

Gruppengröße:   
für 6-20 Personen, Arbeit in Kleingruppen

Dauer:             
ca. 30 - 60 min. (abhängig von Anzahl der Fälle und Nachbesprechung)

Material:           
Ausdrucke der Rollenbeschreibungen

Ziel: Zur Rollenklärung und Entlastung der Patin/des Paten beitragen, indem typische Rollenkonflikte in Patenschaften thematisiert und verschiedene Lösungsweg ausgelotet werden.

Aufgabenstellung: Die Moderation verteilt an Personen, die Lust haben, sich an einem Rollenspiel zu beteiligen, die Rollenprofile. Diese haben dann 3-5 min. Zeit sich in die Rollen einzulesen. Alle Rollenspiele handeln von einem (Rollen-)Konflikt, bzw. verschiedenen Erwartungshaltungen von Patinnen und Paten und Geflüchteten, die nun in einem Gespräch aufeinandertreffen. Nach dem Spiel, werden die Spieler wieder von der „Bühne“ gebeten und aufgefordert „ihren Rollenhut“ wieder abzunehmen.

Folgende Leitfragen bieten sich für die moderierte Auswertung im Plenum an:

  1. An die Spieler: Wie ist es Euch in der Situation ergangen?
  2. An die Gruppe: Worum ging es in der Szene? Um welchen Konflikt hat es sich gehandelt?
  3. Welche anderen Verhaltensweisen wären auch noch denkbar gewesen?
  4. kurzes „Sharing“: Kennt ihr ähnliche Situationen aus Eurer Patenschaft?

Variante: Als eine vertiefende Variante bietet es sich an, zu der Frage „Welche anderen Verhaltenswiesen wären auch noch denkbar gewesen?“ die Methode „Act-storming“ anzuwenden: Hierzu würde man in einen zentralen Moment der eben gespielten Szene erneut ansetzen, und einen der beiden Spiele (z.B. die Patin/den Paten) durch verschiedene Spieler einwechseln, die dann aus dem Mund der Figur gesprochen andere Antwortmöglichkeiten improvisieren. So erhalten die Ehrenamtlichen verschiedene Anregungen für ihr eigenes Verhalten in der Rolle als Patin/Pate.

Rollenprofile:

  • Pünktlichkeit
  • Berufliche Zukunft
  • Hast Du Zeit für uns?
  • Kindererziehung
  • Sei für mich da
  • Nicht weitersagen!

Szenario: Pünktlichkeit – Gabriele

Gabriele (57) und Samira (27) mit ihrer 4-jährigen Tochter Fatima sind um 8:30 Uhr am U-Bahnhof verabredet. Gabriele wollte Samira und Fatima zu einem MRT-Termin begleiten, damit die Gesundheitsprobleme der kleinen Tochter abgeklärt werden können. Gabriele ist um 8:25 Uhr am U-Bahnhof, Samira und Fatima kommen erst um 9:05 Uhr. Damit ist klar, dass ihr 20 Minuten zu spät zum Termin kommt und eventuell umsonst dorthin fahrt.

Du bist Gabriele. Du hast den Termin vor 4 Wochen über persönliche Kontakte bekommen, normalerweise hättet ihr mindestens 3 Monate Wartezeit gehabt. Du hast dir heute vormittag frei genommen, die Fahrtzeit recherchiert, 15 Minuten Puffer eingeplant und Samira erklärt, wie wichtig dieser Termin ist. Außerdem könnte es bis zum nächsten MRT-Termin Monate dauern, du bist um Fatimas Gesundheit sehr besorgt und vor deinem persönlichen Kontakt ist es dir auch peinlich, wenn dieser Termin nun nicht wahrgenommen wird. Entsprechend sauer bist du über Samiras Zuspätkommen…

Szenario: Pünktlichkeit – Samira

Gabriele (57) und Samira (27) mit ihrer 4-jährigen Tochter Fatima sind um 8:30 Uhr am U-Bahnhof verabredet. Gabriele wollte Samira und Fatima zu einem MRT-Termin begleiten, damit die Gesundheitsprobleme der kleinen Tochter abgeklärt werden können. Gabriele ist um 8:25 Uhr am U-Bahnhof, Samira und Fatima kommen erst um 9:05 Uhr. Damit ist klar, dass ihr 20 Minuten zu spät zum Termin kommt und eventuell umsonst dorthin fahrt.

Du bist Samira. In deiner Heimat sind Wege schwer planbar und man weiß nie, wann jemand wirklich am Ziel ankommt. Daher sind Termine dort eher grobe Anhaltspunkte und mit früherer oder späterer Ankunft gehen alle sehr gelassen um – man versucht immer, aus der gegebenen Situation das Beste für alle zu machen. In Ämtern und beim Arzt schiebt man auch mal einen Geldschein über den Tisch, damit man drangenommen wird. Dir ist schon aufgefallen, dass die Deutschen mit Terminen ganz anders umgehen, dir erscheint das zwanghaft und unflexibel. Bei dir war am Morgen Trubel: eine Nachbarin hatte geklingelt und eine Verwandte angerufen, deshalb bist du nicht früher losgekommen. Du kommst mit Fatima entspannt und fröhlich zum Treffpunkt und freust dich, dass Gabriele sich Zeit für euch beide nimmt.

Szenario: Berufliche Zukunft – Frank

Pate Frank (65 Jahre) und Geflüchteter Nadim (19 Jahre, ESA) treffen sich im Cafe. Sie sprechen über die berufliche Zukunft von Nadim.

Du bist Frank und engagierst dich als Pate, weil es dir selbst im Leben ziemlich gut gegangen ist und weil du gern Menschen auf ihrem Lebensweg unterstützen möchtest, die größere Hürden zu überwinden haben.

Deine Gesprächsziele: Dir ist es wichtig, dass Nadim eine Ausbildung macht und sein Arbeitsleben nicht als ungelernter, schlecht bezahlter Arbeiter verbringt. Du willst ihn überzeugen, dass dies der sinnvollere Weg für ihn ist.

Szenario: Berufliche Zukunft – Nadim

Pate Frank (65 Jahre) und Geflüchteter Nadim (19 Jahre, ESA) treffen sich im Cafe. Sie sprechen über die berufliche Zukunft von Nadim.

Du bist Nadim. Deine Großfamilie hatte nicht genug Geld, um als Ganzes das Land zu verlassen. Die Wahl fiel auf dich, alle haben Geld zusammengelegt, damit du nach Europa gehen kannst. Nun möchtest du das Geld zurück zahlen. Außerdem ist deine Mutter krank geworden und soll demnächst in einem Krankenhaus in Indien behandelt werden, auch dafür braucht die Familie Geld.

Deine Gesprächsziele: Du möchtest so schnell wie möglich Geld verdienen, damit du deine Mutter unterstützen und wieder schuldenfrei leben kannst.  Du hoffst auf Franks Unterstützung.

Szenario: Hast du Zeit für uns – Franziska

Tarek (12) hat Probleme in der Schule. Seine Mutter Leyla (34) fragt die Patin Franziska (28), ob sie Zeit hat, in den nächsten Wochen mit ihm für die Klassenarbeit zu lernen und die Hausaufgaben zu betreuen.

Du bist Franziska, 28 Jahre alt. Du studierst, arbeitest und unternimmst seit einem halben Jahr einmal wöchentlich etwas mit Tarek. Der Weg zwischen euch ist nicht sooo kurz und für eine regelmäßige Hausaufgabenbetreuung hast du keine Zeit bzw. müsstest du dein eigenes Leben, deine eigene Woche weitgehend umstellen.

Deine Gesprächsziele: Tarek soll die Unterstützung bekommen, die er braucht, das ist dir sehr wichtig.

Szenario: Hast du Zeit für uns – Leyla

Tarek (12) hat Probleme in der Schule. Seine Mutter Leyla (34) fragt die Patin Franziska (28), ob sie Zeit hat, in den nächsten Wochen mit ihm für die Klassenarbeit zu lernen und die Hausaufgaben zu betreuen.

Du bist Leyla, 34 Jahre alt, 3 Kinder. Du bist noch nicht lange in Deutschland, sprichst noch nicht so gut Deutsch, kennst dich noch nicht wirklich aus, mit dem Geld kommt ihr gerade so klar und dein Sohn Tarek hat nun Schulprobleme. Franziska ist die einzige Person, die du kennst, die Tarek vielleicht unterstützen könnte.

Dein Gesprächsziel: Tarek soll die Unterstützung bekommen, die er braucht, das ist dir sehr wichtig.

Szenario Kindererziehung – Martina

Martina (67) ist zu Besuch bei Lubna (25). Sie trinken Tee, während das Baby (8 Monate) schläft. Die größeren Kinder (2, 4 und 6 Jahre alt) sind im Kindergarten und in der Schule.

Du bist Martina, 67 Jahre, hast 2 erwachsene Kinder und 1 Enkel und bist ehemalige Lehrerin. Dir ist aufgefallen, dass der Fernseher fast durchgehend läuft und dass die Kinder den größten Teil der Zeit zu Hause vor dem Fernseher verbringen. Sie spielen und malen nicht. Die Mutter liest oder spielt auch nicht mit den Kindern und geht mit ihnen auch nicht raus. Du machst dir Gedanken darüber, wie wenig Vorwissen die Kinder in die Schule mitbringen, wenn das so weiter geht.

Deine Gesprächsziele: Du möchtest dafür sorgen, dass die Kinder weniger fernsehen und dafür mehr sinnvollen Beschäftigungen nachgehen.

Szenario Kindererziehung – Lubna 

Martina (67) ist zu Besuch bei Lubna (25). Sie trinken Tee, während das Baby (8 Monate) schläft. Die größeren Kinder (2, 4 und 6 Jahre alt) sind im Kindergarten und in der Schule.

Du bist Lubna, 25 Jahre alt, vier Kinder zwischen 8 Monaten und 6 Jahren. Die Familienarbeit hängt zu mindestens 80% an dir, dein Mann beteiligt sich an Haushalt und Kinderbetreuung fast nicht. Er tauscht vielleicht mal eine Glühbirne aus. Du bist mit den 4 Kindern, dem Haushalt und dem fremden Land seit Monaten am Rande der Erschöpfung.

Deine Gesprächsziele: Bloß nicht noch mehr Arbeit… Und: Martina ist eine wertvolle Unterstützerin deiner Familie, z. B. mit den Formularen, Ämtern, Ärzten und Schulen. Sie ist dir sympathisch, du bist ihr dankbar, wenn sie dir auch manchmal etwas fremd ist mit ihren Werten und ihrem Verhalten. Du möchtest sie auf jeden Fall als Unterstützerin der Familie behalten, du weißt nicht, wie du das ohne sie schaffen solltest.

Szenario: Sei für mich da – Katja

Du bist Katja, 44 Jahre alt. Du bist Mutter zweier Kinder, arbeitest und unternimmst seit einem halben Jahr einmal wöchentlich etwas mit Massieh.

Massieh (19) lebt in einer Sammelunterkunft in Hamburg und hat nach seiner Flucht mit Flashbacks zu tun und kann sich schwer konzentrieren.  Ihr habt inzwischen eine sehr gute, vertraute Ebene aufgebaut und Massieh erzählt in letzter Zeit immer mehr von seinen belastenden Erlebnissen der Flucht.

Zunächst warst Du sehr dankbar für sein Vertrauen, merkst aber mehr und mehr, dass es Dich stark belastet. In letzter Zeit träumst Du sogar von seinen schrecklichen Erzählungen. Dir ist es wichtig für ihn da zu sein, aber Du hast auch gerade andererseits auch selbst einen Haufen persönlicher Themen, viel zu tun bei der Arbeit und auch noch kranke Familienmitglieder, um die Du Dich kümmern musst.

Deine Gesprächsziele: Massieh soll die Unterstützung bekommen, die er braucht, das ist dir sehr wichtig. Aber Du möchtest ihm auch deutlich machen, dass Du nicht immer so viel Zeit hast und auch nicht seine Psychologin bist.

Szenario: Sei für mich da – Massieh

Du bist Massieh, 19 Jahre und kommst aus Afghanistan. Du wohnst in einer Sammelunterkunft und triffst Dich seit einem halben Jahr mit Katja (44).

Nachdem ihr die erste Zeit viel zusammen unternommen habt, hast Du mehr und mehr Vertrauen zu ihr aufgebaut und Du genießt es, dass Sie so ein mütterlicher Typ ist und magst auch ihre Kinder und ihren Mann gern. Manchmal sagst Du aus Scherz, meine deutsche Mama zu ihr. Sie ist für Dich ein wichtiger Anker hier in Hamburg geworden.

Dir tut es gut, mir ihr zu reden und bist froh, ihr auch von Deinen Flashbacks und den Erlebnissen der Flucht, die dich auch oft nicht schlafen lassen, erzählen zu können.

Du freust Dich schon aufs nächste Treffen und willst Katja da bitten, ob ihr euch nicht auch wieder wöchentlich treffen könnt, wie zu Beginn, weil Dir sonst echt auch die Decke auf den Kopf fällt und Du auch mehr Unterstützung beim Deutsch lernen bräuchtest.

Szenario: Nicht weitersagen – Markus

Du bist Markus und bist 63 Jahre und begleitest seit Deiner Rente nun Amir (21) als Pate. Ihr versteht euch sehr gut. Neulich hat Amir Dir in einem Gespräch vertraulich davon berichtet, dass er von einem Mitbewohner in der Unterkunft erpresst wird. Du hast ihm vorher  versprochen, dass Du das für Dich behältst, willst ihn aber überzeugen, dass er sich mit seinem Freund an die Unterkunftsleitung wendet und davon berichtet. Es ist für Dich ein Unding, dass sowas in einer Unterkunft stattfindet und möchtest schnell Abhilfe schaffen. Amir muss das melden! Das möchtest Du beim nächsten Gespräch unbedingt besprechen.

Und was, wenn Amir es nicht tut? Du überlegst, ob Du Dich nicht selbst an die Unterkunft wenden solltest…

Szenario: Nicht weitersagen – Amir

Du bist Amir, 21 Jahre alt und wohnst in einer Sammelunterkunft in Hamburg. Seit geraumer Zeit triffst Du Dich mit Markus, 63 Jahre, der Dich irgendwie fast väterlich unterstützt. Deshalb hast Du ihm auch im Vertrauen erzählt, dass Dich Dein Mitbewohner in der Unterkunft erpresst hat, und Du ihm Geld geben musstest. Markus hat sich sehr aufgeregt darüber und hat Dir geraten, Dich an die Unterkunftsleitung zu wenden. Wenn Du das machst, kannst Du Dich im Heim aber nicht mehr gefahrlos blicken lassen. Du hättest Markus gar nichts erzählen sollen, er scheint nicht zu verstehen.

Du hoffst, dass er das Thema beim nächsten Treffen schon vergessen hat….