Rollenabgrenzung zu bekannten Rollen

Nach: Dr. Limor Goldner: „Es geht darum, mit unterschiedlichen Rollen zu jonglieren“ in Telemachos, Ausgabe 07/März 2017,
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Ähnlich Mentor-Mentee-Beziehung

Unähnlich Mentor-Mentee Beziehung

Welche Rollenanteile sind für welchen Mentee besonders geeignet?

Vater/Mutter

  • Paten und Eltern übernehmen oftmals fürsorgliche Aufgaben und fühlen sich verantwortlich
  • oftmals sind Paten/Eltern älter als Mentee
  • Paten/Eltern ermöglichen sichere Bindung
  • in beiden Fällen geht es um Wärme, Fürsorge, Unterstützung und Vertrauen
  • beide wollen die Entwicklung des Mentees fördern (Erwerb von Wissen und Werten genauso wie die Fähigkeit zu lernen, den Aufbau von Selbstwertgefühl und von Kompetenzen)
  • beide arbeiten mit der Technik Vorbild
  • Patenschaften beruhen auf freier, „kündbarer“ Beziehung; Elternschaft biologische, „unaufkündbare“ Beziehung
  • Paten sind keine Erziehungsberechtigten im rechtlichen Sinne
  • bei Elternschaft: stärkere hierarchische Struktur als bei Paten
  • Eltern/Vormünder entscheiden im Sinne ihres Kindes;  Eltern sind erzieherisch tätig, erteilen ggf. auch Verbote
  • Elternschaft konzentriert sich auf viele Ziele im Bezug auf das Kind (bei Paten zum Teil nur bestimmte)
  • für junge Menschen, die korrigierende oder kompensierende Erfahrungen brauchen oder die in der Vergangenheit schädliche oder verletzende (familiäre) Beziehungen erlebt haben
  • für Mentees, die eine sichere Basis benötigen, genauso wie Wärme, Empathie, Spiegelung und Validierung und Role-Modelling
  • Mentees, die mit stressigen Situationen fertig werden müssen

Freund

  • Freundschaft und Patenschaft beinhalten ähnlich großes Repertoire unterstützender Leistungen (Begleitung, Anleitung, Hilfe und dass man seine persönlichen Gefühle offenbaren kann)
  • bei beiden: Anleitung, Information und Rat u.a. durch bzw. bei gemeinsamen Aktivitäten
  • beide stärken das soziale Netzwerk und das Gefühl der Zugehörigkeit; Gefühle von Ablehnung und Einsamkeit reduzieren sich
  • Freundschaft/Patenschaft kann zum Gefühl beitragen, gewertschätzt und gemocht zu werden
  • Freund und Pate können gleichermaßen den  Prozess der Identitätsentwicklung unterstützen und ein festeres, authentisches Selbstwertgefühl fördern
  • Patenschaft ist zunächst in Dauer begrenzt und für (Lebens-)abschnitt angedacht; Freundschaft ohne vorher definiertes Ende
  • in Freundschaft keine hierarchische Struktur (Von Mentoren wird erwartet, dass sie die erwachsene Rolle übernehmen und den Mentee bestärken)
  • Freundschaft ist in der Regel eine wechselseitige Beziehung  ohne spezifische Entwicklungsziele
  • Freundschaft eher zweckfrei (aus Spaß) – in Patenschaft werden auch Ziele verfolgt
  • in Freundschaft herrscht oft das Prinzip der Gegenseitigkeit und Gleichheit (bzgl. Alter, Geschlecht, Schicht und Lebensanschauung); Mentoren und Mentees haben nicht unbedingt den gleichen Blick auf die Welt, ihr sozialer Status unterscheidet sich
  • wichtig für einsame Mentees
  • für solche Kinder und Jugendlichen, die sich in stressigen oder risikoreichen Situationen zurechtfinden müssen, etwa weil sie neu zugewandert sind, zu ethnischen Minderheiten gehören, oder weil ihre Familien belastende Situationen wie Tod oder Krankheit eines Familienmitglieds erleben
  • Mentees, die hinsichtlich ihrer sozialen Kompetenz Förderung bedürfen (erhöht Resilienz)

Therapeut

  • Mentoren handeln in der Regel intuitiv, dennoch haben Therapeut und Mentor oft gleichermaßen therapeutische Fähigkeiten – Einfühlsamkeit, aktives Zuhören, Empathie und Offenbarung eigener Gefühle, womit sie eine vertrauliche Atmosphäre erzeugen
  • bei beiden handelt es sich um helfende Beziehungen, mit einer fürsorglichen Autoritätsfigur auf der einen und einem 'Klienten' auf der anderen Seite
  • menschliche Verbindung, die darauf ausgerichtet ist, die positive Entwicklung des 'Klienten' zu fördern
  • Empathie, Wärme und Echtheit gewünschte Qualitäten
  • zum Teil bei beiden Konzentration auf emotionale und psychologische Ziele (Verbesserung des Selbstwertgefühls)
  • Mentee/Klient erlebt fürsorgliche Unterstützung, in dem es um seine Bedürfnisse geht
  • Therapeuten sind qualifizierte Fachkräfte, die eine ganz Reihe von Theorien und Techniken beherrschen
  • hierarchische Beziehung
  • Therapie oft nicht wie in Patenschaft mit sozialer Aktivität verbunden, formellerer Rahmen
  • Mentees, die mit stressigen Situationen fertig werden müssen

Lehrkraft

  • Mentor/Lehrkraft sind beide lehrend/vermittelnd tätig
  • ähnlich altehrwürdige Lehr-Modus von Meister und Lehrling, bei der nicht nur die Wissensvermittlung im Vordergrund steht, sondern auch die sozio-emotionale Unterstützung
  • Mentor/Lehrkraft übernehmen gleichermaßen auch fürsorgliche Aufgaben (Zuhören, menschliche Wärme)
  • Lehrer benotet, starke Hierarchisierung; spielt bei Patenschaft keine Rolle
  • Lehrer lehrt i. d. Regel formaler; sind Mentoren in der lehrenden Rolle, zeigen sie Gefühle, spielen sie und sprechen oft über den Lernprozess mit ihren Mentees
  • Lehrer ist für ganze Klasse verantwortlich, Paten i.d.R. für einen Person
  • Lehrer setzt formale Lernstrategien ein; in der Patenschaft dominiert informelles Lernen (im Dialog und Spiel)
  • Lehrer muss Führung und emotionale Beziehung kombinieren
  • Mentees, die Unterstützung bei ihrer schulische oder akademische Leistung benötigen
  • Auch soziale Einstellungen, Motivation, Werte, Überzeugungen und praktische oder kognitive Fähigkeiten lassen sich so fördern
  • Mentees, die Vorbilder benötigen, ihr Bestes zu geben, und sie motivieren, dem guten Beispiel zu folgen

 

Der hybride Mentor: „Mentoren sollten in der Lage sein, sich zwischen diesen Haltungen, die diesen Rollen zugrundeliegen, frei zu bewegen. Sie sollten Praktiken aus mehreren Rollen einsetzen können, um die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Mentees zu bedienen.“ (Dr. Limor Goldner)