Wie gelingt die Vorbereitung?

Natürlich bestimmen die Projektgröße und Ressourcen von Zeit, Geld, Engagierten oder Personal die Vorbereitung. Projekte mit geringeren Ressourcen verbinden die Vorbereitung oftmals mit den Auswahlgesprächen, einem Infoabend oder auch mit dem ersten Kennenlerntreffen von Ehrenamtlichen und Geflüchteten. Projekte mit größeren Ressourcen widmen der Vorbereitung der PatInnen eigene Workshops oder geben Leitfäden heraus.

Hier finden Sie eine Checkliste mit Themen, die Sie bei der Vorbereitung unbedingt ansprechen sollten. 

Viele der Geflüchteten stammen aus Ländern, in denen bürgerschaftliches Engagement unterdrückt wird oder nur staatsnah möglich ist. Daher ist bei der Vorbereitung der Geflüchteten wichtig, vorab zu erläutern, was bürgerschaftliches Engagement in Deutschland ausmacht: Was sind Gründe des Engagements? Was kann ich von Ehrenamtlichen erwarten? Was nicht?
Die Diakonie hat dazu eine mehrsprachige Broschüre erstellt.
Broschüre: Was sind freiwillig Engagierte?

  • Welche Ziele werden mit dem Projekt verfolgt? (z.B. Deutsch lernen, Hamburg kennenlernen, etc.) Und welche nicht? (z.B. keine Hausaufgabenbetreuung, etc.)

  • Gestaltung der Patenschaft:
    • Dauer der Patenschaft (unbegrenzt/begrenzt, Mindestlaufzeit)
    • Wie häufig finden Treffen statt und wie lange dauern sie?
    • Wo finden die Treffen statt? (in der Flüchtlingsunterkunft, in Vereinsräumen, in Jugendclubs, in der Schule, draußen, zuhause,…)
    • Gibt es eine „Schnupperphase“/Probephase? (z.B. nach 3 Treffen oder 3 Wochen; gibt es ein Feedback nach der Schnupperphase?)

  • Organisatorische Rahmenbedingungen:
    • Sind die Ehrenamtlichen und Geflüchteten haft- und unfallversichert? (Wenn ja, was ist konkret zu tun bei einem Unfall oder Haftpflichtfall?)
    • Werden Ausgaben, z.B. Eintrittsgelder oder Fahrkarten erstattet? (Wenn ja, welche genau und wie erfolgt die Abrechnung?)
    • Gibt es Materialien (z.B. Lehrbücher), Equipment (z.B. Computer) oder Räume, die die Tandems nutzen können?
    • Gibt es feste AnsprechpartnerInnen im Projekt und wie sind sie am besten zu erreichen? (ggf. Bürozeiten)
    • Stehen DolmetscherInnen zur Verfügung? (Für welche Sprachen, in welchen Fällen und wie verläuft die Vermittlung?)

  • Verhaltenscodex / Klärung von gegenseitigen Erwartungen, z.B.
    • Zuverlässigkeit und Erreichbarkeit
    • Offenheit
    • Vertraulichkeit
    • Respekt
    • Gewaltlosigkeit
    • Hilfe zur Selbsthilfe / keine Bevormundung
    • Umgang mit Geschenken und Geld
    • Umgang mit Nähe und Distanz / eigene und die Grenzen anderer wahren
    • Umgang mit Krisen
    • Grenzen des Engagements

  • Klärung von Aufgaben und Rollen innerhalb der Patenschaft im Gespräch mit den Projektteilnehmern
    • Welche Aufgaben und Rollen übernehmen die ehrenamtlichen PatInnen? Und welche nicht?
    • Was können beide Seiten voneinander erwarten und was nicht?
    • Erläuterung für Geflüchtete: Was heißt Ehrenamt? (in Abgrenzung auch zu den hauptamtlichen Hilfen von Behörden wie z.B. das Jugendamt)

  • Begleitung
    • Gibt es Austauschtreffen für PatInnen und Tandemtreffen? (z.B. Stammtische, Kochabende, Ausflüge, etc.)
    • Wie werden die PatInnen begleitet? (Beratung durch Projektleitung, Supervision, Kollegiale Beratung,…)
    • Wird regelmäßig ein Feedback der Tandems eingeholt? (z.B. regelmäßig alle 4-8 Wochen, nach Bedarf,…)
    • Wie ist der Umgang mit Krisen und Problemen in der Patenschaft?
    • Dokumentieren die Tandems ihre Treffen? (z.B. in Form eines Patenschaftstagebuch)
    • Gibt es ein Handout für PatInnen?
    • Stehen Adressen für die Verweisberatung zu anderen Fachstellen (z.B. Arbeitsvermittlung, Deutschkurse,…) zur Verfügung?
    • Gibt es Fortbildungsangebote oder wird darauf verwiesen? (z.B. in Form eines Newsletter, über eine Facebookgruppe, etc.)

  • Fachliche Informationen, z.B.
    • Informationen, die für die jeweilige Zielgruppe relevant sind (z.B. Rolle des Vormunds bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen)
    • interkulturelle Sensibilisierung für PatInnen / Arbeit mit dem Anti- Bias Ansatz
    • Umgang mit Traumata
    • Wichtige Beratungsstellen
    • Lebenslagen von Geflüchteten