Wie wähle ich geeignete PatInnen und Geflüchtete aus?

Auswahlkriterien, Bewerbungsbögen, Kennenlerngespräche, Führungszeugnisse und die Kooperation mit den Wohnunterkünften oder Schulen tragen dazu bei, passende ProjektteilnehmerInnen für die Patenschaften auszuwählen.

Joachim möchte sich als Pate engagieren. Im Kennenlerngespräch mit der Patenorganisation wird jedoch deutlich, dass er beruflich bedingt keine regelmäßigen Treffen mit einem Jugendlichen realisieren kann. Es wird vereinbart, dass er stattdessen einzelne Ausflüge für alle Tandems organisiert und dabei die Projektleitung unterstützt.

Zwar sind Patenprojekte über jede Anfrage von Freiwilligen froh. Trotzdem sind Auswahlkriterien aus folgenden Gründen sinnvoll:

  • Eine gezielte Auswahl der PatInnen stellt sicher, dass sie ausreichend Zeit haben, motiviert und zuverlässig sind und die passenden persönlichen Fähigkeiten mitbringen.
  • Eine Auswahl der Geflüchteten gewährleistet, dass die Zeit und der konkrete Wunsch nach einer Patenschaft vorhanden sind und die Erwartungen an die Patenschaft geklärt sind.
  • Im Auswahlprozess können hilfreiche Informationen für eine möglichst passende Verknüpfung der Tandems eingeholt werden.
  • Eine Auswahl der Ehrenamtlichen ist auch im Sinne von Schutzaspekten wichtig, vor allem wenn es sich um Projekte mit minderjährigen Geflüchteten handelt.

Je nachdem wie viel Zeit im Patenprojekt zur Verfügung steht und um welche Zielgruppe es sich handelt, fällt der Auswahlprozess unterschiedlich intensiv aus: Arbeiten Sie mit Minderjährigen, ist ein ausführlicheres Auswahlverfahren zum Schutz der Kinder und Jugendlichen ratsam. Bei Erwachsenen sind hingegen geringere Standards geläufig.

Wenn Sie mehr  über die Motivation für die Patenschaft, die Persönlichkeit, den beruflichen/familiären Hintergrund, Interessen, Sprachkenntnisse und Vorerfahrungen in der Flüchtlingshilfe wissen, ist eine gute Auswahl möglich. Dabei sind auch ganz praktische Aspekte entscheidend:  Die BewerberInnen müssen Zeit mitbringen und in der Nähe wohnen.

Verschiedene Verfahren können Ihnen dabei helfen, einen Eindruck über die Eignung der Teilnehmenden zu erhalten sowie Informationen für eine passende Verknüpfung zu sammeln:



Im Kennenlerngespräch werden Erwartungen geklärt. (c) Foto: Kirsten Haarmann

Ein Bewerbungsbogen erleichtert die Kontaktaufnahme und kann eine erste Einschätzung für das Matching, also für die Verknüpfung von Ehrenamtlichen und Geflüchteten bilden.

Einige Projekte führen außerdem Kennen­lerngespräche durch. Eine gute Gelegenheit, Erwartungen und Fragen zu klären, Projektziele und Spielregeln klar zu benennen. Die Gespräche können überall stattfinden: im Cafe, bei der Patenorganisation, in der Schule, direkt zuhause oder in der Wohnunterkunft.

Bei Kindern und Jugendlichen ist eine Einverständniserklärung der Eltern bzw. des Vormundes zur Anmeldung notwendig. Bei Kennenlerngesprächen mit Kindern und Jugendlichen werden je nach Projekt oder familiärer Situation die Eltern, Lehrkräfte, Vormünder oder die BetreuerInnen bzw. SozialarbeiterInnen der Wohnunterkünfte hinzugezogen. Im Gespräch mit den Eltern ist oftmals eine Übersetzung notwendig; weniger günstig ist es, wenn die Kinder selbst übersetzen müssen.

Praxisbeispiele für Bewerbungsbögen und Kennenlerngespräche finden Sie hier:


Bewerbungsbogen Ehrenamtliche:

Bsp. Aufnahmebogen für PatInnen (Willkommen in Süderelbe)

Bsp. Anmeldebogen für PatInnen (Pfiff)

Bewerbungsbogen Geflüchtete:

Bsp. Anmeldebogen für Geflüchtete (Willkommen in Süderelbe)

Bsp. Anmeldung Patenkind (MitKids Aktivpatenschaften)

Kennenlerngespräche:

Bsp. Gesprächsleitfaden Mentees (Piff)

Bsp. Kennenlerngespräch Ehrenamtliche (Schülerpaten Hamburg e.V.)


Eine Auswahl zu treffen, heißt auch im Zweifel abzusagen. Folgendes Vorgehen hat sich in der Praxis bewährt:

  1. Sagen Sie telefonisch oder persönlich ab, nicht per E-Mail oder Brief.
  2. Legen Sie zu Beginn Ihre Entscheidungskriterien dar (z.B. Einfühlungsvermögen, Offenheit, etc.).
  3. Erläutern Sie den Entscheidungsprozess (Wer entscheidet bei Ihnen auf welcher Basis?).
  4. Teilen Sie mit, dass Sie sich gegen eine Projektaufnahme entschieden haben.
  5. Stellen Sie (nur auf Nachfrage!) grob dar, welches Kriterium den Ausschlag für die Entscheidung gab und geben Sie ausschließlich bei weiteren Nachfragen ausführliches Feedback.
  6. Gestehen Sie ein, dass lediglich wenige Informationen dieser Entscheidung zugrunde liegen und eine Fehleinschätzung möglich ist.
  7. Erläutern Sie die Praxis, sich dennoch im Zweifel gegen eine Aufnahme zu entscheiden.
  8. Verweisen Sie auf andere Möglichkeiten für ein Engagement und auf Projekte, die Ihnen für diese Person passend erscheinen.
  9. Schließen Sie mit einem ausdrücklichen Dank das Gespräch ab.

Wenn  Sie mit Kindern, Jugendlichen und Familien arbeiten, sollten Sie sich in jedem Fall ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis der Engagierten vorlegen lassen.

Im Vergleich zum einfachen Führungszeugnis, in dem Erstverurteilungen ab 90 Tagessätzen oder drei Monate Freiheitsstrafe aufgeführt sind, werden im erweiterten polizeilichen Führungszeugnisse bereits sexualstrafrechtliche Verurteilungen im niedrigen Strafbereich vermerkt. Dadurch ist beispielsweise eine Verurteilung zu 60 Tagessätzen wegen Verbreitung von Kinderpornographie oder Exhibitionismus im erweiterten Führungszeugnis erfasst. Weitere Informationen zum erweiterten polizeilichen Führungszeugnis erhalten Sie auf der Seite des Bundesjustizamtes oder auf der Behördenseite der Stadt Hamburg.

Für Ehrenamtliche ist die Ausstellung in allen Bürgerbüros und Einwohnermeldestellen kostenfrei, wenn eine Bestätigung über das Engagement der Ehrenamtsorganisation vorliegt. Eine Vorlage dafür finden Sie hier:

Briefvorlage Antrag Führungszeugnis

Antragsformular Führungszeugnis der Stadt Hamburg