Wie kann ich eine gute Auswahl treffen?

Je nachdem wie viel Zeit im Patenprojekt zur Verfügung steht und um welche Zielgruppe es sich handelt, fällt der Auswahlprozess unterschiedlich intensiv aus: Arbeiten Sie mit Minderjährigen, ist ein ausführlicheres Auswahlverfahren zum Schutz der Kinder und Jugendlichen ratsam. Bei Erwachsenen sind hingegen geringere Standards geläufig.

Wenn Sie mehr  über die Motivation für die Patenschaft, die Persönlichkeit, den beruflichen/familiären Hintergrund, Interessen, Sprachkenntnisse und Vorerfahrungen in der Flüchtlingshilfe wissen, ist eine gute Auswahl möglich. Dabei sind auch ganz praktische Aspekte entscheidend:  Die BewerberInnen müssen Zeit mitbringen und in der Nähe wohnen.

Verschiedene Verfahren können Ihnen dabei helfen, einen Eindruck über die Eignung der Teilnehmenden zu erhalten sowie Informationen für eine passende Verknüpfung zu sammeln:

  • Kontaktaufnahme zu den Interessierten per Email, Onlinemaske oder Telefon, anschließend Einladung zu einem Informationsabend oder auch direkt zu einem Patentreffen, wo auch die Verknüpfung stattfindet. Dies niedrigschwellige Verfahren wird in der Praxis nur von Projekten angewandt, die mit Erwachsenen verknüpfen, nicht mit Kindern und Jugendlichen.

  • Schriftliche Bewerbung, zum Teil mit vorgegebenem Bewerbungsbogen und Lebenslauf
    Bsp.  Bewerbungsbogen PatInnen und  Bewerbungsbogen Refugees (Willkommen in Süderelbe)
    Bsp.  Anmeldebogen MentorInnen (Mentorprojekt “Yoldaş“)
    Teilweise nutzen Projekte auch eine Onlinemaske auf ihrer Website mit Autoreplyfunktion
    Bsp.  Schülerpaten Hamburg

  • Face-to-Face-Interview/ Kennenlerngespräch
    Bsp.  Gesprächsleitfaden (Schülerpaten Hamburg)

  • Vorlage eines aktuellen erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses
    Bei Kooperationen mit manchen Wohnunterkunftsträgern ist dies verpflichtend und bei Patenschaften mit Kinder, Jugendlichen und Familien inzwischen Standard. (s. auch Antragsvorlagen für das Führungszeugnis)

  • Vorlage von Referenzen
    Bsp.  Leitfaden Referenzenbefragung (Zeit für Zukunft e.V.)

  • Unterschreiben des Schutzkonzepts (siehe auch Kapitel Schutzkonzepte und Verhaltenscodex)

Variante 1: Über Wohnunterkunftsträger, Schulen oder Vormünder

SozialarbeiterInnen, Vormünder oder LehrerInnen sprechen einzelne Geflüchtete direkt auf eine Patenschaft an.

Vorteil:

  • Personal kennt die Geflüchteten persönlich und kann den Bedarf besser einschätzen
  • Inhaltliche Vorbereitung der Geflüchteten über Mittler

Nachteil:

  • Kriterien und Verfahren der Vorauswahl sind zum Teil unklar oder persönlich geprägt, dies kann zu einer sympathiegeleiteten Auswahl führen

Voraussetzungen für Zusammenarbeit:

  • Einrichtungsleitung müssen das Projekt unterstützen
  • SozialarbeiterInnen/LehrerInnen/Vormünder müssen die Projektziele und Rahmen­bedingungen gut kennen und vermitteln können.
  • Regelmäßiger persönlicher Austausch zwischen Projektleitung und Sozialarbeiter/Lehrer

Variante 2: Über das Patenprojekt direkt

Wenn  Patenprojekte vor Ort an die Wohnunterkünfte angegliedert sind stehen die ProjektmitarbeiterInnen meist im direkten Kontakt mit den Geflüchteten. Die Verfahren zur Auswahl sind unterschiedlich:

  • Formlose Anmeldung per Email oder Telefon
  • Per Anmeldebogen oder Online-Formular, in dem die Geflüchteten Informationen zu ihrer Person, Kontakt- und Sprachmöglichkeiten und Wünsche an die Patenschaft formulieren.
  • Im Rahmen eines Informationsabend, auf dem das Projekt vorgestellt wird und Anmeldebögen ausliegen und/oder gemeinsam ausgefüllt werden
  • Durch Face-to - Face- Einzelgespräche zwischen Geflüchtetem und ProjektmitarbeiterInnen

Wichtig bei dem Auswahlprozedere ist es, die persönlichen Daten zu schützen. Informationen zum Thema Datenschutz finden Sie im Kapitel Projektmanagement.