Wie gewinne ich PatInnen und Geflüchtete?

Projektflyer, Website und Pressearbeit machen das Patenprojekt für Interessierte sichtbar. Aussagekräftige Projektbeschreibungen, zielgerichtete Kooperationen und Infoabende sorgen dafür, dass interessierte Personen ihren Weg in das Projekt finden.

Amir und Lisa koordinieren ein Patenprojekt. Sie sind frustriert: Es melden sich kaum interessierte PatInnen bei ihnen. Und die wenigen Personen, die sich melden, haben oftmals eine völlig falsche Vorstellung von einer Patenschaft. Nachdem Amir und Lisa eine Webseite erstellt haben und eine lokale Zeitungsredakteurin gewinnen konnten, die über ihr Projekt eine Artikel verfasste, haben schließlich einige Interessierte Kontakt zu ihnen aufgenommen, die für eine Patenschaft geeignet sind.

Eine passgenaue Akquise verringert die Anzahl an Fehlbewerbungen und beugt Missverständnissen der Projektteilnehmenden vor.

Interessierte benötigen Informationen zu den Projektzielen, den Rahmenbedingungen und den Erwartungen, die an sie gerichtet werden. Es ist hilfreich, schon bei der Akquise darauf hinzuweisen, dass zur Teilnahme an dem Projekt gewisse Kriterien erfüllt werden müssen und eine Auswahl der Geflüchteten und Freiwilligen stattfindet. Dieser Hinweis schafft Transparenz und kann im Falle einer Ablehnung größere Enttäuschungen und Unmut verhindern.

Freiwillige wollen mit ihrem Engagement etwas bewirken und die Geflüchteten hoffen, dass sie von der Patenschaft profitieren können. Vergessen Sie in der Akquise also nicht zu erwähnen, welchen Gewinn die Teilnehmenden aus dem Projekt ziehen können.  


Männliche Paten werden oft dringend gesucht (c) Foto: Kirsten Haarmann

Einen guten Überblick über in der Praxis angewandte Maßnahmen zur Patenakquise bietet die 2017 veröffentlichte Wirkungsanalyse der Prognos AG zu den Patenschaftsprojekten des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“, deren Ergebnisse hier zusammengefasst sind:

Wer engagiert sich in Patenprojekten?
Es engagieren sich wesentlich mehr Frauen in Patenschaften. Gut zwei Drittel (71%) der PatInnen sind weiblich. Auf der Seite der Geflüchteten stellt sich die Verteilung gegensätzlich dar. 73% der begleiteten Geflüchteten sind Männer, die meist zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Bei der Altersstruktur der PatInnen zeigt sich, dass die Altersgruppen der 20- bis 29-jährigen (22%) und der über 60-jährigen (32%) am häufigsten vertreten sind und über die Hälfte der Engagierten ausmachen.  Die Gruppe der 50- bis 59-jährigen (19%) ist ebenfalls stark vertreten.

Gründe für das Engagement?
Die eigene Hilfsbereitschaft (91%), der Wunsch nach gesellschaftlicher Mitgestaltung (90%) sowie ein generelles Interesse für Menschen aus anderen Kulturen (80%) sind die am häufigsten genannten Gründe für ein Engagement als Patin oder Pate. Aber auch die besonderen Rahmenbedingungen, die Patenschaften mit sich bringen, sind für die Engagierten reizvoll:

Gründe für das Engagement im Patenschaftsprogramm


 

Zugang zu den Zielgruppen
Bei der Akquise von Geflüchteten zeigt die Studie, dass die Zusammenarbeit mit Personen oder Organisationen, die im direkten Kontakt mit Geflüchteten stehen, von den Patenprojekten mit 89% bzw. 83% positiver Zustimmung als am erfolgversprechendsten bewertet werden. Auch die Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Geflüchteten (85%) und die aktive Aufsuche von Sprachschulen und Unterkünften (77%) werden als sehr wirkungsvoll eingestuft.

Die gezielte Ansprache von potenziellen Freiwilligen wird in der Patenakquise von den Patenprojekten am besten bewertet.  Bei den Sozialen Medien zeigen sich große Unterscheide je nach Altersgruppe. Über 50% der PatInnen im Alter von 20 bis 29 Jahren gaben an, über die Sozialen Medien von ihrem Patenprojekt erfahren zu haben. 

 

Bewertung verschiedener Ansprachewege zur Mobilisierung von Freiwilligen



Um passende Teilnehmende für Ihr Projekt zu finden, ist es hilfreich, zuerst die Ziele und die Zielgruppen Ihres Patenprojekts zu betrachten. Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollten die Patinnen und Paten mitbringen? Welche Geflüchteten kommen für Ihr Projekt in Frage?

Im Anschluss sollten Sie überlegen, wo sich Ihre Zielgruppen aufhalten und in welcher Form sie am besten ansprechbar sind. Unbegleitete Minderjährige sind beispielsweise in anderen Unterkünften untergebracht als erwachsene Geflohene. Auch die Zielsetzung ihres Projekts ist entscheidend. Wenn Sie Bildungspatenschaften für geflüchtete SchülerInnen anbieten, sollten sie sich an Schulen wenden.

Überlegen Sie außerdem, über welches Medium Sie Ihre Zielgruppe am besten erreichen: Menschen im Rentenalter sind eher seltener auf den Plattformen Sozialer Medien zu finden. Bei der Suche nach Studierenden könnte die Bewerbung im Netz wiederrum genau der richtige Weg sein.

Sie wollen vor allem Männer für das Engagement als Paten gewinnen? In der Tagungsdokumentation "Männer als Paten für Kinder" des Projekts biffy Berlin erhalten Sie wertvolle Tipps.


In der Akquise von PatInnen sowie Geflüchteten gibt es keinen Königsweg. Um möglichst hohe Effekte zu erzielen, ist eine fortlaufende Akquise unabdingbar – das Projekt sollte stets sichtbar bleiben. Sie erreichen Ihre Zielgruppen am besten, wenn Sie unterschiedliche Formate und Kanäle setzen.

Bei der Gewinnung von Geflüchteten ist eine Übersetzung von Flyern oder bei Infoabenden sinnvoll. Zudem sollten die Geflüchteten darüber informiert werden, was Patenschaften sind und welche Rolle die Freiwilligen einnehmen. Ansonsten können leicht Missverständnisse aufkommen und die ehrenamtlichen PatInen werden als hauptberufliche SozialarbeiterInnen wahrgenommen oder das Patenprogramm wird gar als Partnerschaftsbörse verstanden.

Eine Abfrage bei Hamburgern Patenprojekten zu praxiserprobten Akquisemaßnahmen finden Sie hier:


Homepage und Flyer sind oftmals die ersten Informationsquellen für interessierte BewerberInnen – hier sollten alle Informationen zum Patenprojekt zu finden sein. Die Praxis zeigt, dass sich Menschen nur schwer durch bloße Informationen begeistern lassen. Das Patenprojekt sollte daher durch Bilder und Erfolgsgeschichten veranschaulicht werden. Tandemportraits sowie kurze Erfahrungsberichte aus den Patenschaften geben wichtige Einblicke und sprechen die Interessierten auf einer emotionalen Ebene an.

Die Kontaktaufnahme sollte für potenzielle PatInnen möglichst einfach per Telefon und/oder E-Mail gestaltet sein. Idealerweise befindet sich auf der Webseite ein Anmeldeformular, das bei Interesse direkt ausgefüllt werden kann. Beantworten Sie Anfragen möglichst innerhalb weniger Tage, um das Engagement nicht auszubremsen und dem Wunsch danach schnell zu entsprechen. Die Schülerpaten Hamburg haben dafür beispielsweise folgendes Antwortschreiben für Interessierte entwickelt.

Inspiration zur Flyer- oder Homepagegestaltung von Patenprojekten finden Sie in der Box mit Beispielen des Patenprojekts "Pfiff" und "Start with a friend".

 

Eine Checkliste zur Erstellung von Webseiten und Infoflyern finden Sie hier:


Auf Infoabenden können sich die Teilnehmenden persönlich ein Bild vom Patenprojekt machen. Die Projektkoordinierenden können sich als AnsprechpartnerInnen etablieren und die Ziele und die Rahmenbedingungen des Projekts vorstellen. Anschaulich wird ein Infoabend, wenn die bereist aktiven PatInnen sowie die Geflüchteten in das Programm einbezogen werden. Ein persönlicher Erfahrungsbericht eines Tandempaares gibt den Teilnehmenden einen authentischen Einblick.

Da sich die Fragen an das Projekt und die Motivation teilzunehmen zwischen Geflüchteten und Freiwilligen unterscheiden, sollten Sie getrennte Infoveranstaltungen durchführen.

Folgende Empfehlungen aus der Praxis können für einen erfolgreichen Infoabend hilfreich sein:


Schließen Sie sich mit anderen zusammen, um Freiwillige und Geflüchtete für ihr Projekt zu gewinnen!

Unterkunftsträger und Schulen

Um Kontakt zu Geflüchteten aufzubauen, bietet sich eine Kooperation mit Unterkunftsträgern und Schulen an. Die LehrerInnen und SozialarbeiterInnen stehen im direkten Austausch mit der Zielgruppe. Wer welche Bedarfe hat und von einer Patenschaft am meisten profitieren kann, können die Fachkräfte sehr gut einschätzen. Sie übernehmen im Rahmen der Kooperationen daher oftmals die Akquise und Auswahl der Geflüchteten.
Um eine Verbindlichkeit herzustellen und Zuständigkeiten festzuhalten, empfiehlt es sich, mit den KooperationspartnerInnen eine Vereinbarung abzuschließen. Eine Vorlage dazu finden Sie in der Box.

Unternehmen

Zudem unterstützen immer mehr Unternehmen das soziale Engagement ihrer MitarbeiterInnen und gehen daher Kooperationen mit sozialen Trägern ein.  Auch dadurch können Freiwillige gewonnen werden. Praktische Einblicke, wie sich Unternehmen im Rahmen von Patenschaften gesellschaftlich betätigen und das Engagement ihrer MitarbeiterInnen fördern können, bietet eine Handreichung von UPJ.

Freiwilligenagenturen

Freiwilligenagenturen haben viel Erfahrung in der Beratung und Vermittlung von Ehrenamtlichen und können passende Personen an die Patenprojekte vermitteln. Meist muss dafür auf den Webseiten der Agenturen ein Online-Gesuch aufgegeben werden, in dem die Anforderungen und die Rahmenbedingung des Patenprojekts beschrieben werden. Für neue Projekte empfiehlt es sich, ein persönliches Gespräch mit den AgenturmitarbeiterInnen zu suchen.

Nehmen Sie mit ihrer lokalen Freiwilligenagentur Kontakt auf.
Hier finden Sie eine Übersicht zu den Hamburger Freiwilligenagenturen.

In Hamburg sind alle Agenturen über eine gemeinsame Website  www.freiwillig.hamburg vernetzt, auf der auch Sie Ihr Gesuch Online stellen können.


Facebook, Twitter, Youtube, Blogs und Instagram bieten die Chance, viele Menschen über das Patenprojekt zu informieren. Alle Social-Media-Plattformen leben von kurzen prägnanten Texten und eindrucksvollen Bildern, die emotional erfahrbar sind. Fotos und Filmaufnahmen von Projektaktionen und Unternehmungen der Tandems geben Ihrem Projekt ein Gesicht und können Menschen für ein Engagement als Patin oder Pate motivieren.

Einige Patenprojekte schalten bei Facebook  zielgruppenspezifische Werbung. Diese kostenpflichtige Form der Akquise kann bei der Zielgruppe der 20- bis 30-Jährigen erfolgversprechend sein. 

Bsp. Facebook-Projektseiten
Facebook-Seite von "Start with a friend e.V."

Facebook-Seite der "Schülerpaten Hamburg"


Bsp. Kurzfilm von "Hamburger mit Herz e.V."

 

Bsp. Kurzfilm von "Start with a friend e.V."