Interview mit Stefanie Ebbeler
(Flüchtlingszentrum Hamburg)

Stefanie Ebbeler, Beraterin, Flüchtlingszentrum Hamburg

Über den Umgang bei drohender Abschiebung

Der Bescheid zur Abschiebung trifft ein. Was tun?

Beim Eintreffen des Bescheides – wie auch allen anderen Schriftstücken und Dokumenten ist es wichtig, diese gleich zu öffnen und idealerweise samt Umschlag gut aufzubewahren. Beim Ablehnungsbescheid samt Abschiebeandrohung, gelten wichtige Fristen ab Zustellung des Bescheides. Das bedeutet der Poststempel auf dem Briefumschlag kann mitunter sehr wichtig sein. Daher nicht wegwerfen, sondern mit den Unterlagen aufbewahren. Fristversäumnisse können schwerwiegende Folgen haben, die nicht rückgängig gemacht werden können. Der Bescheid sollte aufmerksam gelesen werden. Wenn möglich, helfen Sie der betreffenden Person dabei, zunächst einmal sprachlich den Inhalt des Briefes zu verstehen. Weisen Sie Ihren Paten bzw. Ihre Patin auch darauf hin, dass es enorm wichtig ist, dem BAMF bei jedem Umzug die neue Adresse mitzuteilen.

Wie können PatInnen aus ihrer Sicht am besten in diesem Prozess unterstützen?

Bewahren Sie Ruhe. Ein Ablehnungsbescheid oder eine Abschiebeandrohung sind sehr bedrohlich. Hinzu kommt die nur schwer zu verstehende  Sprache dieser offiziellen Schriftstücke. Sie unterstützen am sinnvollsten, wenn Sie Ruhe bewahren, falls möglich beim sprachlichen und inhaltlichen Verstehen des Schriftsatzes helfen und auf die Bedeutung von etwaigen Fristen hinweisen. Da jeder Fall höchst individuell zu betrachten ist, sollte so schnell wie möglich professionelle Unterstützung hinzugezogen werden. In den meisten Fällen von Ablehnungsbescheiden ist eine Klage inkl. Fristwahrender Anzeige sinnvoll. Diesen Schritt sollte der oder die Betroffene mit professioneller Hilfe abwägen und ggf. umsetzen. Eine Entscheidung dafür oder dagegen, sollte nicht ohne entsprechende Beratung getroffen werden. Sie können unterstützen indem Sie ein solches Hilfsangebot kennen, darauf aufmerksam machen und ggf. dorthin begleiten.

Wo erfahre ich in Hamburg Unterstützung?

Sollte die betreffende Person bereits einen Anwalt haben, sollte dieser schnellstmöglich über Bescheide oder ähnliches informiert werden. Wenn noch kein Anwalt involviert ist, könnte man bei einem Rechtsanwalt um Beratung bitten. Darüber hinaus beraten auch verschiedene, professionelle Beratungsstellen in Hamburg zum Thema Ablehnung des Asylverfahrens und drohender Abschiebung (neben allgemeiner Asylverfahrensberatung). Sie können sich beispielsweise an das Flüchtlingszentrum Hamburg wenden oder an die Verfahrensberatung von fluchtpunkt, der Rechtsberatung der Öffentlichen Rechtsauskunft (ÖRA) oder auch an die Refugee Law Clinic. Außerdem bieten Amnesty International und das Café Exil eine Sprechstunde zum Thema Asylverfahren an.