Interview mit Benjamin Will (Die Insel hilft e.V.)
zum inklusiven Matching

Im Tandemprojekt der Insel hilft e.V. bildet ihr Patenschaften mit volljährigen Geflüchteten. Wie verknüpft ihr die Freiwilligen mit den Geflüchteten?

Die Kennenlerngespräche sowie das Matching finden in der Regel im Rahmen unserer Projekttreffen statt. Die Treffen werden von uns alle 14 Tage durchgeführt und dienen dem  gemeinsamen Austausch. Hier werden Probleme gelöst, Informationen und Erfahrungen ausgetauscht, Gesellschaftsspiele gespielt oder gemeinsam Deutsch gelernt. Sowohl bestehende Tandems als auch interessierte Geflüchtete und Freiwillige suchen die Treffen auf.

Die Basis für unser Matching sind die Informationen, die wir aus unseren fragebogengestützten Kennenlerngesprächen mit den Geflüchteten und Freiwilligen gewinnen. In den Gesprächen wird erfragt, warum die Freiwilligen sich bei uns engagieren möchten, wie viel Zeit sie investieren möchten, welche Interessen sie haben und was ihre Erwartungen bzw. ihre Bedarfe sind. Zugleich haben wir die Möglichkeit über das Tandemmodell aufzuklären sowie Missverständnisse und falsche Erwartungen auszuräumen. Nach den Gesprächen integrieren wir die interessierten Geflüchteten und Freiwilligen bereits in die Projekttreffen, so dass sie einen ersten Einblick in das Projekt erhalten und vielleicht schon erste Kontakte knüpfen können.

In der Folge versuchen wir, bis zu einem der nächsten Treffen, anhand unserer gewonnen  Informationen, für die Interessierten einen passenden Tandempartner zu finden. Ist dieser gefunden stellen wir die beiden Personen gegenseitig vor. Diese Gespräche werden von uns zu Beginn moderiert (Hier bekommt man oft schon ein Gefühl dafür, ob das passt oder nicht). Ist die erste Zurückhaltung gebrochen ziehen wir uns aus den Gesprächen zurück.

Welche Verknüpfungskriterien spielen für euch eine gewichtige Rolle?

Es kommt regelmäßig vor, dass sich auf unseren Projekttreffen ein Tandem ohne unsere Hilfe findet. Dies ist von uns erwünscht und ganz in unserem Sinne, da wir der Überzeugung sind, dass gegenseitige Sympathie und gemeinsame Interessen die entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche und lang anhaltende Bindung sind.

Manche Geflüchtete suchen jedoch eine Unterstützung für ein konkretes oftmals zeitlich begrenztes  Vorhaben. In diesen Fällen ist die zwischenmenschliche Sympathie eher zweitrangig und eine Übereinstimmung des Bedarfs mit den Ressourcen und dem Know-How der Freiwilligen entscheidender. Für eher zurückhaltende Freiwillige und Geflüchtete ist ein moderiertes Verknüpfungsgespräch wichtig, um den Kontaktaufbau zu unterstützen.

Warum wendet ihr das inklusive Matching an?

Dank der direkten Einbindung in unsere Projekttreffen hat jede Person, bevor sie eine Patenschaft eingeht, genügend Zeit sich in das Projekt und seine Rolle hereinzufinden. Bestehende Tandems können nach ihren Erfahrungen befragt werden. Erste Kontakte können in einem unverbindlichen Rahmen geschlossen werden. Zudem haben die Interessierten die Chance auf den Treffen ihren passenden Tandempartner selbst zu finden.