Schutzkonzepte vor sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch

(Sexualisierte) Gewalt kann jedem passieren, dennoch spricht von man so genannten „Hochrisikogruppen“. Geflüchtete Menschen und besonders unbegleitete minderjährige Geflüchtete haben ein erhöhtes Risiko, Opfer (sexualisierter) Gewalt zu werden: Ein unsicherer Status, wechselnde AnsprechpartnerInnen, mangelnde Privatsphäre in der Unterbringung, geringere Selbstschutzfähigkeiten und vorherige Gewalterfahrungen (z.B. auf der Flucht) tragen dazu bei. Zudem stammen viele der geflüchteten Menschen aus (Kriegs-)Ländern, in denen Sexualität und sexualisierte Gewalt kein Thema ist, über das gesprochen wird, was es Opfern zusätzlich erschweren kann, Hilfe zu holen.

Auch in Patenschaften bedürfen Geflüchtete daher eines besonderen Schutzes: Patenschaften stellen eine der intensivsten Unterstützungsformen von Geflüchteten dar, hier entstehen private Bindungen, die nicht zur Befriedigung eigener emotionaler und sexueller (Macht-)Bedürfnisse von einem der TandempartnerInnen ausgenutzt werden dürfen. Für Patenprojekte ist es daher besonders wichtig, verschiedene Präventionsmaßnahmen zum Schutz der Projektteilnehmenden vor sexualisierter, psychischer und physischer Gewalt und Grenzüberschreitungen vorzunehmen und einen Leitfaden zum Vorgehen im Verdachtsfall (Interventionsleitfaden) zu entwickeln.

Hier finden Sie eine Auflistung von Präventionsmaßnahmen:

Eine Vorlage für einen Interventionsablauf im Falle eines (vermuteten) Übergriffs stellt der Verein AMYNA e.V. aus seinem Praxishandbuch: Prävention von sexuellem Missbrauch in Patenschfatsprojekten" zur Verfügung. Zudem hat der Verein die kostenfreie Broschüre „Verletzliche Flüchtlingskinder“ erstellt.

Die Schülerpaten Hamburg arbeiten beispielsweise mit einer Selbstverpflichtung, die von allen Freiwilligen unterzeichnet werden muss, bevor sie in eine Patenschaft vermittelt werden.

Der Flyer „Wege zur Hilfe bei sexualisierter Gewalt in Hamburg“  gibt eine Übersicht über die Hamburger Fachberatungsstellen.

  • Informieren Sie sich über sexualisierte Gewalt und mögliche Präventionsmaßnahmen für Organisationen, nehmen Sie zusammen mit Ihren KollegInnen an Fortbildungen teil.
  • Entwickeln Sie zusammen mit Ihren KollegInnen im Projekt / im Verein ein gemeinsames Verständnis davon, was Sie unter Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch verstehen.  Überlegen Sie, wo  im Projekt ein besonderes Gefährdungspotential besteht.
  • Entwickeln Sie einen Interventionsablauf für den Fall, falls ein Verdacht zu Grenzüberschreitungen oder (sexualisierter) Gewalt besteht und erkundigen Sie sich nach Fachstellen, die sie im Notfall anrufen können.
  • Entwickeln Sie eine Leitlinie zur Zusammenarbeit für alle MitarbeiterInnen und Engagierten, in denen sie sich klar von Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt distanzieren. Lassen Sie diese von allen derzeitigen und zukünftigen MitarbeiterInnen / Engagierten unterschreiben und weisen Sie auch auf Infoveranstaltungen und bei ihrem Außenauftritt darauf hin, um potentielle TäterInnen abzuschrecken.
  • Lassen Sie sich von allen MitarbeiterInnen und Ehrenamtlichen, die im Kontakt zur Zielgruppe stehen, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und legen Sie Wert auf ein gründliches Auswahlverfahren der Engagierten.
  • Nutzen Sie eine Einführungsveranstaltung und Patenstammtische, damit die  Ehrenamtlichen hier ihre eigene Rolle reflektieren können und sich über Machtverhältnisse,  Machtmissbrauch und das Verhältnis von Nähe und Distanz in der Patenschaft austauschen können. Erläutern Sie Do`s and Don`ts in der Patenschaft.
  • Informieren Sie die geflüchteten Teilnehmenden vorab über Do`s and Don`ts im Patenprojekt (bei Kinder auch über Kinderrechte) und bieten Sie sich als AnsprechpartnerIn bei Konflikten und Grenzüberschreitungen an.
  • Bleiben Sie im Kontakt mit allen Projektteilnehmenden und erkundigen Sie sich regelmäßig nach Ihrem Wohlbefinden (Feedback).

 

Literatur/Links:

Bianca Karlstetter, Christine Rudolf-Jilg (Hg. AMYNA e. V.) (2013): „Verletzliche Patenkinder. Prävention von sexuellem Missbrauch in Patenschaftsprojekten – ein Praxishandbuch“. 

AMYNA e.V. (2016) : Verletzliche Flüchtlingskinder. Prävention sexualisierter Gewalt in der Flüchtlingshilfe. Praktische Tipps für Einrichtungen und Fachkräfte, die für Ehrenamtliche zuständig sind. 

Mentor.Ring Hamburg e.V. (2014): Hamburger Konzept zum Qualitätsmanagemet in Patenprojekten.