Interview mit Lena Blum

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Lena Blum, Projektleiterin von „Landungsbrücken für Geflüchtete“

Welche innovativen Patenschaftsansätze gibt es?

Im Rahmen der Evaluation von "Landungsbrücken für Geflüchtete" wurden verschiedene Patenschaftsmodelle untersucht. Im folgenden Interview erläutert Projektleiterin Lena Blum drei verschiedenen Ansätze, Vorteile und Gelingensbedingungen.

"Wir begleiten, vernetzen und qualifizieren derzeit rund 50 Organisationen, die Patenschaften mit Geflüchteten anbieten. Dabei haben wir einige besondere Formen dieses Engagements beobachtet und evaluiert. „Wir im Quartier Winterhude“ arbeitet zum Beispiel mit Patengruppen. Zwei bis drei Engagierte begleiten gemeinsam eine Familie oder auch einen einzelnen Mentee. Es handelt sich also nicht um die klassische 1:1-Situation, sondern um Gruppenmentoring. Dieses Modell ermöglicht die Betreuung von geflüchteten Familien in besonders komplexen Problemlagen, wie zum Beispiel solche mit kranken Kindern. Einen einzelnen ehrenamtlichen Paten würde das zumeist überfordern. Die Patengruppen – im vergangenen Jahr waren es 37 – finden sich größtenteils selbst zusammen. Eine Koordinatorin oder ein Koordinator unterstützt alle Teams. Diese sind meist sehr heterogen zusammengesetzt und ergänzen sich so in ihren jeweiligen Kompetenzen und Sichtweisen. Unsere Evaluation hat gezeigt, dass sich in diesem Gruppenmodell eine besonders offene Feedback- und Kommunikationskultur entwickelt.

Ein zweites interessantes Modell praktiziert die „Flüchtlingshilfe Harvestehude“. Dort sind die Patenschaften in einer Arbeitsgruppe neben 18 weiteren thematisch fokussierten Arbeitsgruppen organisiert. Diese kümmern sich um Spracherwerb und Berufsberatung bis hin zur Kinderbetreuung. Wenn nun in einer Patenschaft ein besonderer Unterstützungsbedarf sichtbar wird, kann direkt auf das Wissen und die Angebote der anderen AGs im Verein zurückgegriffen werden. Umgekehrt wird bei der Arbeit mit den Geflüchteten in den unterschiedlichen AGs deutlich, wann und wo eine Patenschaft notwendig wird.

Ganz besonders ist auch das Modell der „Kontaktflüchtlinge“ des „Sozialdienstes katholischer Frauen“. Zwei Geflüchtete aus Syrien arbeiten bei der Programmentwicklung und Projektsteuerung gleichberechtigt mit. Sie verdanken ihrer Berufsbiografie und Lebenserfahrung die nötigen Kompetenzen für ihre Rolle als „Kontaktflüchtling“. Im Zentrum steht die kulturelle und sprachliche Vermittlung. Sie bahnen die Kontakte zwischen den Tandems an, was für viele Geflüchtete die Hemmschwelle senkt und ihnen hilft, sich offen und auch kritisch zu äußern. Ich finde das Modell auch deshalb besonders überzeugend, weil damit die Forderung, Geflüchteten selbst ein verantwortungsvolles Engagement zu ermöglichen, umgesetzt wird. Außerdem konnten wir bei der Evaluation deutlich beobachten, dass es die Kommunikationskultur und Selbstreflexion im gesamten Projekt fördert."

Eine Übersicht der drei beschrieben Patenprojektansätze findet sich auch in der folgenden Präsentation.

 

Anmerkung: Dieses Interview wurde für das  E-Book #Patenschaften der Stiftung Bürgermut erstellt und dort veröffentlicht.