Bedarfsklärung und Umfeld

Mit vielen Fragen kommen die Geflüchteten des Sprachkurses auf ihre ehrenamtliche Lehrerin Monika zu. „Wie bekomme ich günstige Kinderkleidung?“ „Wie finde ich eine Wohnung?“ Oder: „Was bedeutet dieser  Brief?“  Bald ist Monika klar, dafür braucht es mehr Zeit und mehr Leute. Zusammen mit den anderen Unterstützenden der Wohnunterkunft stellt sie erste Überlegungen an, wie sie ein Patenprojekt aufbauen könnten.

Ohne Bedarf kein Projekt. Daher sollten Sie im ersten Schritt die Bedarfe genauer in Erfahrung bringen. Vielleicht engagieren Sie sich bereits ehrenamtlich in einer Flüchtlingsunterkunft? Und es haben sich schon Formen der Begleitung und Patenschaft entwickelt? Vielleicht haben Sie noch keine Kontakte zu Geflüchteten und möchten ein Patenprojekt aufbauen – entweder weil es bereits einzelne Engagierte oder einen Unterstützerkreis gibt oder Sie als Organisation beauftragt sind, ein Konzept zu entwickeln? Folgende Fragen können Ihnen in jedem Fall helfen, um Ihr Projekt auf die Bedarfe und das entsprechende Umfeld abzustimmen:

In welchen Bereichen haben Geflüchtete (je nach Reichweite in der Stadt, im Stadtteil, in der Unterkunft, etc.) besonderen Unterstützungsbedarf? Geht es beispielsweise eher um soziale Kontakt zu Einheimischen, Vermittlung von Wohnangeboten oder Deutsch lernen? Nutzen Sie dazu verschiedene Informationsquellen, z.B.:

  • Praxiserfahrungen ihrer Organisation, eigene Erfahrungen,
  • Geflüchtete direkt (in den Unterkünften),
  • SozialarbeiterInnen / Unterkunftsleitungen / Schulleitungen / Kitaleitungen,
  • MitarbeiterInnen von Flüchtlingsberatungsstellen,
  • QuartiermanagerInnen,
  • Empirische Studien (s. 4.14 Lebenslagen von Geflüchteten)

Diese Bedarfsabfrage ist sowohl für die Entwicklung des Projekts wichtig, als auch als Argumentationsgrundlage, um Förderer für Ihre Projektidee zu gewinnen.

Wo sollte das Projekt angesiedelt sein? In einer Wohnunterkunft, in der Schule, im Verein, im Stadtteil oder in der ganzen Stadt?

Welche Angebote von Ehrenamtlichen, Organisationen/Vereinen und von lokaler und staatlicher Seite bestehen bereits am Projektort?



Beispielsweise Angebote …

  • von Ehrenamtlichen
  • der Wohnunterkunftsträger
  • der Schule
  • von Vereinen und Stiftungen
  • der Wohlfahrtsverbände (Awo, Caritas, Diakonie, DRK, Johanniter, Der Paritätische, Malteser…)
  • der Religionsgemeinschaften (z.B. über Kirchen, Moscheen, etc.)
  • Migrantenselbstorganisationen
  • der Jugendhilfe
  • des Bezirks oder der Stadt
  • Wer macht was bereits gut und ausreichend? Wo sind Lücken?
  • Gibt es bereits andere Patenprojekte vor Ort? Wenn ja, mit welchen Schwerpunkten, welcher Zielgruppe und in welchem Umfang?
  • In welchen Bereichen besteht Interesse von Seiten von Ehrenamtlichen, sich zu engagieren?
  • Ist der Projektort gut für potentielle Ehrenamtliche zu erreichen oder leben mögliche Ehrenamtliche direkt vor Ort?